Algerien Fotoreise Wüste
Sven Herdt
08.03.2026 - vor 1 Woche
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Als ich 2024 von Sebastian Thürmer gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte eine Fotoreise nach Algerien zu leiten war ich zuerst etwas skeptisch. Noch nie zuvor hatte ich von einem deutschen Landschaftsfotografen gehört der dieses Land bereiste geschweige den Bilder gesehen. Ich wusste über Algerien, dass es im nördlichen Afrika neben Marokko liegt und wahninnig groß ist- aber auch nicht viel mehr. Vielleicht noch, dass ein Großteil des Landes Wüste ist, weil die Sahara einmal quer durchgeht. Ebenfalls hatte ich zu Beginn die Befürchtung ob zwölf Tage Wüste nicht eintönig werden würden. Aber für ausgefallene Ideen bin ich ja immer schnell zu haben und so zeigte mir Sebastian ein paar Landschaftsfotos von der Agentur vor Ort. Ich war sehr begeistert von all den Bildern und nach etwas hin und her ließ ich mich auf das Projekt ein.
Die Vorbereitungen waren dann nicht so einfach. Ja natürlich wusste ich inzwischen, dass wir nach Djanet fliegen würden um im Nationalpark Tassili n’Ajjer unterwegs zu sein. Diesen Nationalpark fand ich auch noch auf GoogleMaps. Mit einer Größe von über 72000km2 ist er sogar noch etwas größer als Bayern. Der Nationalpark befindet sich im Südosten des Landes nahe der Grenze zu Lybien. Als ich dann versuchte die Reiseroute und Orte zu finden wurde es schon schwieriger. Etliche der Namen kannte das Internet nicht oder man fand Orte des selben Namen in völlig anderen Regionen. Als ich die Tour bewarb kamen zu Beginn zwar Anfragen aber immer wieder die selbe Frage: Ist das nicht zu gefährlich?
Es war etwas zäh Leute zu finden. Aber am Ende war es wohl die beste Gruppe die man sich vorstellen kann. Neben meiner Freundin und Thomas Mohn, der mich schon viele Jahre als Videograf begleitet, kamen nur bekannte Gesichter mit. Bei jeder Anmeldung freute ich mich als ich den Namen las. Das konnte nur gut werden.
Schließlich kam der Tag der Anreise. Die Flugzeuge waren vereist, hatten Verspätung oder fielen komplett aus. Auch die Einreise zog sich bis unser Visum bearbeitet wurde. Sebastian Thürmer leistete großartige Arbeit aus der Ferne und irgendwie schafften wir es alle den Anschlussflug nach Djanet zu erwischen- nicht zuletzt, weil bereits unser lokaler Guide vor Ort war und tatkräftig mitkoordinierte. Dieser war fast so lang wie der Flug von Frankfurt nach Algier. Das nur mal so um eine Vorstellung der Größe zu bekommen. In Djanet wartete der Rest vom algerischen Team bereits auf uns und wir kamen mitten in der Nacht völlig platt im Hotel an.
Doch am nächsten Morgen waren wir natürlich alle motiviert zu starten. Nach einer letzten Dusche für die kommenden acht Tage beluden wir unsere Autos. Wir fuhren noch kurz auf den Markt von Djanet und schlenderten durch die Stände und kauften im Anschluss noch Obst und Gemüse für die nächsten 8 Tage. Danach ging es raus aus der Stadt und wir waren alle ab dem ersten Moment begeistert. Unser erster Stop waren Felsgravuren. Rund um Tassili n’Ajjer findet man etliche Gravuren und Malereien. Diese sind zwischen 12.000 und 5000 Jahre alt. Diese Gravuren und Malereien werden in unterschiedliche Epochen geordnet. Einige zeigen die für Südafrika typischen Tiere wie Giraffen, Nashörner oder auch Löwen. Denn bis vor etwa 6000 Jahren war in dieser Gegend noch ein wasserreiches Savannengebiet. Daher fühlten sich auch die großen afrikanischen Tiere hier wohl. Dann verschwand die Savanne und die karge Wüste entstand. Doch auch auf den heutigen Satellitenbildern kann man noch klar erkennen wo damals die Bäche und Flüsse geflossen sein müssen.Unser Fahrer Salah erzählte uns, dass auch in der Oasenstadt Djanet noch teilweise richtig viel Wasser durchfließen kann wenn es im Sommer regnet.
Bei unserer ersten Mittagspause bemerkten wir, dass wir zwar mit fünf Autos gestartet waren doch immer eines fehlte. Ein toller Service wenn man ein Auto voll Proviant hat und zwei Köche immer voraus fahren um schon einmal das Essen zuzubereiten. Ich möchte hier nicht zu viel über das Essen schreiben aber ich kann nur sagen es was super lecker. Vom ersten bis zum letzten Tag gab es frischen Salat, einheimische Eintöpfe, Couscous und andere Spezialitäten. Keine Ahnung wie manches davon so lange frisch bleiben konnte aber der Salat war von Anfang bis Ende knackig.Nun ja außer die Baguettes hatten mal jedes Stadium erreicht. Am Nachmittag des ersten Tages verließen wir dann auch endgültig die asphaltierte Strasse und für die nächsten Tage gab es nur noch Wüstenwege oder völliges Offroad.
Den ersten Tag genossen wir noch einen schönen Sonnenuntergang inmitten der Wüste. Auch wenn ich zuvor nur die Eindrücke aufgesaugt hatte zog ich nun das erst Mal meine Kamera und fotografierte das warme Licht auf den Felsen und Sanddünen der algerischen Sahara. Wir waren nun wirklich angekommen. Wir hatten all den Stress mit den Flügen und der Einreise hinter uns gelassen und konnten endlich genießen.
Von nun an möchte ich nicht mehr die einzelnen Tage beschreiben. Denn die Zeit scheint hier anders zu verlaufen als anderswo. Ich erzähle euch lieber ein paar Eindrücke der folgenden Tage und versuche so auch Antworten auf häufige Fragen in den Text einzuarbeiten. Die Tage hatten meist einen ähnlichen Tagesablauf. Der Wecker klingelte immer um 5:45. Es ging aus dem Zelt und wir machten eine meist kurze Wanderung an einen der spektakulären Orte. Ja und spektakulär waren diese Plätze wirklich. Meine Sorge bzgl. Abwechslung war völlig unbegründet. Zizou, unser einheimischer Fotoguide, führte uns an verschiedenste Spots. Jeder Tag hatte wieder neue Highlights. Es gab Orte mit riesigen Dünen oder auch Felsformationen. Aber auch die Dünen und Felsformationen waren jedes Mal komplett anders als die Vorherigen. Sei es die Farbe des Sandes oder die Art der Felsen. Mal fühlte man sich wie auf dem Mars und an anderen Orten als wäre man Teil einer mittelalterlichen Karawane. Im ersten Morgenlicht bekamen diese Plätze eine besonders schöne Stimmung und wir tolle Bilder. Ja und das schönste daran ist, dass es sich um Fotos handelt die man nicht jeden Tag auf den Sozialen Medien sieht. Nach dem Morgenshooting ging es dann immer zurück zum Frühstück. Es war Zeit für den ersten Kaffee des Tages. Wir bauten unser Lager ab und fuhren weiter. In der Wüste ist man meist gemütlich unterwegs und so fuhren wir häufig mehrere Stunden mit Zwischenstops. Wir besichtigten weitereFelsmalereien oder besondere landschaftliche Orte wie Steinbögen etc. Die Zeit wird hier nicht so genau genommen. Aus geplanten zwei Stunden werden schon mal fünf Stunden aber egal wir kamen immer pünktlich zum guten Licht am Abend an. Am Zielpunkt angekommen ging es dann meist nach etwas Pause Nachmittags wieder los um weitere Plätze zu besuchen. Dabei machten wir ebenfalls kleine Wanderungen um die schönsten Orte zu erreichen. Wir bestiegen hohe Dünen, kletterten Felsen hoch oder suchten andere schöne Orte auf. Ich kann nur sagen, dass ich jeden Tag aufs neue begeistert war. Die Wüste bietet einfach soviel mehr als nur Dünen und ich war von den Orten bis zum Ende hin sehr beeindruckt. Neben der weiten Landschaft begeisterten mich auch die vielen Strukturen. Die Muster im Sand kommen bei tiefstehender Sonne besonders gut zur Geltung, doch auch die Felsen weisen so viele besondere Muster auf. Teilweise findet man bunte Schichten oder der Stein wirkt als wäre er mal geschmolzen und ist mit Löchern übersät.
Doch nicht nur die Natur machten diese Tour so unvergesslich sondern auch die Menschen und deren Leben. Wie bereits erwähnt waren wir mit fünf Geländewägen unterwegs und insgesamt begleiteten uns neun Einheimische. Jeder hatte dabei seine Aufgaben und so kamen wir nach der Abendrunde immer in ein fertiges Lager zurück. Die Zelte waren schon aufgebaut und ein paar Snacks für den schnellen Hunger standen bereit, während die beiden Köche unser Abendessenzubereiteten. Am Lagerfeuer wurde Tee gekocht. Doch nicht wie bei uns. In der Wüste von Algerien ist das eine längere Zeremonie und wesentlicher Bestandteil des Lebens. Der Tee schmeckt dabei sehr bitter doch durch eine Menge Zucker auch süß. Ob es nun Tee mit Zucker oder Zucker mit Tee ist sei dahingestellt. Jedenfalls finde ich es eine schöne Zeremonie die auch wieder zeigt wie stressfrei das Leben hier ist. Den wer denkt so ein Tee ist nach fünf Minuten fertig liegt völlig daneben- das Kochen und Aufschäumen dauerte gewiss über eine Stunde. Ebenfalls begannen am Abend die Tuaregs immer zu musizieren. Mit Gitarre wurde gespielt und auf Kanistern getrommelt. Dabei sangen sie ganz wunderbare Lieder. Das Schöne dabei war zu sehen, wie sie Freude daran hatten und es nicht in erster Linie für uns taten. Denn als es uns irgendwann kalt wurde oder wir müde vom Tag waren und im Zelt verschwanden spielten sie teilweise noch länger weiter und man schlief mit diesen Klängen ein. Es ist doch ein Geschenk keine Internetverbindung zu haben und wieder zu solchen Dingen wie musizieren zurück zu finden. Als es dann einmal während der Zeit Netz gab bemerkte man dies sofort wie der Abend verlief und ich freute mich umso mehr über die 9 Tage zuvor als jeder gezwungener Maßen offline war.
Die Astrofotografie ist natürlich in der Wüste auch möglich. Das Sternenzelt ist ja unschlagbar. So eine lichtarme Gegend findet man wohl kaum anderswo. Doch während dieser Reise beschäftigten wir uns wenig damit. Zum einen ist das Galaktische Zentrum der Milchstrasse während der kompletten Nacht nicht sichtbar. Dies ist doch das Highlight am fotografischen Nachthimmel und kann so nur von März bis September fotografiert werden. Wir erstellten teilweise Startrails und ließen die Kamera über Stunden im Freien stehen. Doch immer mit etwas flauen Magen. Den der Wüstensand kann die Ausrüstung an ihr Limit bringen. Dies bemerkten wir am Ende der Tour als es mal stürmte. Der feine Sand war nach meiner Heimkehr überall zu finden und ich kaufte mir erstmal einen speziellen Staubsauger um die Kamera und Objektive zu reinigen. Doch hat kein Teil nachhaltigen Schaden erlitten.
Am Ende bleibt mir nur zu sagen: es war eine geniale Tour. Wer Lust auf ein Abenteuer im Zelt hat ist hier genau richtig. Man taucht etwas in die Welt der Tuareg ein und lernt ihre Kultur kennen. Durch die pralle Sonnen während des Tages ist diese Reise relativ entspannt aber man erhält dennoch viele ausdrucksstarke Fotos. Ebenfalls sind diese Fotos nicht überall in der digitalen Welt zu finden sondern stechen aus der Masse der bekannten Fotolocations heraus. Ich freue mich schon jetzt in die Welt der algerischen Wüste zurück zu kehren, neue Orte mit der Kamera zu entdecken und am Abend dem Klang der Musik zu lauschen.
Möchtest du bei diesem Abenteuer mit dabei sein, dann besuche unsere Fotoreisen. Die nächsten Reisetermine sind bereits online.
Unser einheimisches Team besteht aus etlichen Personen. Jeder hat dabei seine eigenen Aufgabe. Mit dabei ist unser einheimischer Fotoguide. Er organisiert diese Tour, kennt viele tolle und abwechslungsreiche Plätze in der Wüste und ist ein toller Mensch. Ebenfalls begleitet uns ein deutschsprachiger Guide. Dieser kann uns einiges über die Kultur, Felsmalereien etc. erzählen. Bein einem ausgebuchten Workshop reisen wir mit fünf 4×4 Autos. Diese benötigen natürlich Fahrer. Die wichtigsten Männer sind wie immer die Köche. Täglich zaubern sie uns leckeres Essen. Am Abend darf natürlich jemand für die Teezeremonie und Musiker nicht fehlen. Auch wenn wir schon im Bett liegen und schlafen musizieren die Einheimischen oft noch weiter und genießen das Leben am Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel.