Momente & Gedanken 2025
Laura Oppelt
01.01.2026 - vor 1 Tag
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Einige von uns sind das ganze Jahr fotografisch tätig. Man jagt Nebelstimmungen, Sonnenaufgängen oder auch Tierbegegnungen hinterher. Aber trotz dieser enormen Zeit in der Natur bleiben einige ganz spezielle Momente im Gedächtnis. Jede*r von uns zeigt hier einen dieser Momente, der 2025 erlebt werden durfte oder teilt einfach nur ein paar Gedanken.
Ein Morgen im Winterwunderland
von Sven Herdt
Im Jahr 2025 gab es für mich etliche tolle Momente, die ich erleben durfte. Doch dieser Sonnenaufgang in Finnland bleibt mir sicherlich noch sehr lange im Gedächtnis. Vor einer geführten Fotoreise in diesem Winterwunderland, verbrachte ich mit meiner Freundin und ein paar Freunden Zeit in dieser Gegend. Wir wohnten in einer romantischen Hütte im Wald. Von hier aus erkundeten wir für 10 Tage die Umgebung. So konnten wir alle Orte, Wanderungen und Gegebenheiten für die bevorstehende Tour kennen lernen. Besonders freute ich mich, ein erstes Mal den Riisitunturi National Park zu erleben. Dieser bietet alles, was man sich bei einer Winterreise durch Finnland wünscht. Wir waren bereits weit vor Sonnenaufgang unterwegs. Nach etwa 20 Minuten mit den Schneeschuhen lichtete sich der Wald und wir kamen dem Gipfel näher. Die verschneiten Bäume stehen hier oben nur noch vereinzelt in der Gegend. Eine wirklich faszinierende Landschaft. Noch zur Blauen Stunde kamen wir am Gipfel an und konnten den Vollmond beim Untergehen fotografieren. Alle genossen diese Szenerie, wanderten umher und suchten sich ihre Motive. Als langsam in Richtung Sonnenaufgang der Himmel begann sich rosa zu färben. Die Farben wurden immer schöner und ich fand diese Baumgruppe. Besonders gefiel mir dabei die Anordnung der Bäume und wie sie sich immer weiter aufrichteten. Der Moment war wohl wirklich lange, da die Sonne Mitte Januar hier nur langsam aufgeht. Ja und irgendwann fand ich mich auf dem nächsten Gipfel zum Sonnenuntergang wieder. Also es war nicht der perfekte Moment, sondern wohl ein perfekter Tag mit Freunden.
Ein Jahr zum Vergessen – aber voller Erinnerungen
von Kai Hornung
Es wäre leicht, dieses Jahr 2025 als ein Jahr zum Vergessen zu bezeichnen. Abgesehen von den Dingen, die in der Welt um uns herum geschehen und manchmal an Irrsinn kaum zu überbieten scheinen, haben sich manche Projekte von mir nicht so entfaltet, wie ich es mir erhofft hatte. Ideen blieben liegen, Pläne verloren an Schärfe. Und dann kam Mitte des Jahres etwas, das alles veränderte: der völlig unerwartete Tod meiner Mutter.
Spätestens da hätte ich eine Überschrift für 2025 gehabt.
Und sie wäre verständlich gewesen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto weniger passt sie.
Denn gerade in diesem Jahr wurde mir wieder bewusst, worum es mir eigentlich geht. In der Fotografie, aber auch darüber hinaus. Was ich als Finding Small bezeichne, war nie nur ein fotografischer Ansatz. Es war immer auch eine Haltung. Ein genaueres Hinsehen, wenn das Große zu laut wird. Ein Annehmen dessen, was sich nicht planen lässt. Auch wenn mir das, nur zwei Jahre nach dem Tod meines Stiefvaters, alles andere als leichtfällt.
Es gab persönliche Highlights. Schöne Momente mit Familie und Freunden. Und zu Beginn des Jahres wurde die Familie sogar noch größer, als unser Hund Linus zu uns kam – und unsere Herzen im Sturm eroberte. Ich durfte wunderbare Mentees begleiten, Gespräche führen, zuhören, gemeinsam zweifeln und wachsen. Es gab intensive und sehr schöne Workshops mit großartigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Spanien und an anderen Orten.
Ich habe in diesem Jahr weniger selbst fotografiert als in anderen Jahren. Es war eines der Jahre mit den wenigsten eigenen Bildern, seit ich ernsthaft fotografiere. Dafür gab es umso mehr Kontakt, Austausch und wertvolle Reflexion. Und Vorträge wie u.a. beim GDT Festival in Lünen, beim Horizonte Festival in Zingst oder auch online für Out Of Chicago Live. Sie bleiben mir lebendig in Erinnerung, weil sie Begegnungen ermöglicht haben. Und weil sie mir gezeigt haben, wie stark Verbindung sein kann, wenn man Dinge teilt, die nicht glatt oder perfekt sind.
Nun geht das Jahr zu Ende, und ich stehe vor meinem ersten Weihnachten ohne Eltern. Das wird schwierig. Aber dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – freue ich mich auf das neue Jahr. Ich habe große Pläne und große Lust, sie umzusetzen. Mit Neugier und Zuversicht.
Ob es klappt?
Mal sehen.
2026 wird mir das schon zeigen.
Eine unerwartete Begegnung
von Florian Warnecke
2025 war ein Jahr mit vielen Aufs und Abs. Fotografisch gab es viele schöne Momente, was es sehr schwer macht einen speziellen davon herauszustellen. Jedoch werde ich den 1. Juni nicht vergessen.
Schon am Tag zuvor sagt mir meine innere Stimme, ich sollte am nächsten Tag in den Wald gehen, sie hat mich förmlich dazu gedrängt. Es war schon sehr lange her, dass ich einfach "nur so" ohne große Ideen und Erwartungen in den Wald ging.
Völlig planlos ließ ich mich von meiner Intuition leiten und bog irgendwann von der Forststraße nach rechts ab auf einen schmaleren Fahrweg. Dieser führte in einem 90° Bogen an einer kleinen Lichtung vorbei, auf der sich das hohe Gras bewegte, weil dort kurz zuvor ein Reh absprang. Mit schlechtem Gewissen, das Reh aufgeschreckt zu haben, ließ ich die Biegung hinter mir und plötzlich ertönte ein merkwürdiges Geräusch hinter mir, welches ich so noch nie gehört hatte.
Was ist das, fragte ich mich und hörte etwas genauer hin. Ist es ein quietschendes Mountainbike? Nein sicher nicht. Ein Vogel ist es auch nicht. Was in aller Welt macht so ein Geräusch? Für mich gab es nur eine logische Erklärung, ein Rehkitz, das nach seiner Mutter ruft.
Die Rufe kamen näher und als ich mich zur Lichtung umdrehte, kam das kleine Rehkitz aus dem hohen Gras gelaufen und sah mich verdutzt an. Es lief ein paar Schritte auf mich zu und erkannte, dass ich nicht seine Mama war. Kurzzeitig verschwand es im Wald auf der anderen Wegseite, bis es dann ebenfalls um die 90° Kurve kam, auf der ich kurz zuvor gelaufen war.
Und dann war da dieser einzigartige Moment, das Kitz blieb im Licht der einfallenden Sonnenstrahlen stehen und warf mir noch einmal einen letzten Blick über die Schulter zu, bevor es wieder im hohen Gras verschwand, aus dem es gekommen war. Im Wald hinter dem Kitz hörte ich das Muttertier rufen und ich wußte sofort, dass Mutter und Kind wieder glücklich vereint waren.
Mein schlechtes Gewissen verwandelte sich in große Erleichterung, da ich ungewollt der Grund für die vorübergehende Trennung der Beiden war. Zügig setzte ich meinen Weg fort, um der kleinen Familie ihre wohlverdiente Ruhe zu ermöglichen. Dieses kleine Wunder nur wenige Schritte vor mir zu erleben, war ein ganz besonderes Geschenk, das Mutter Natur mir an diesem Tag gewährte. Ich werde diese Begegnung niemals vergessen.
Die Weite der Wüste - was mich die Stille lehrt
von Laura Oppelt
Sowohl rückblickend als auch im Erleben selbst war 2025 eines der intensivsten Jahre, die ich bisher durchlebt habe - sowohl aus fotografischer als auch persönlicher Perspektive. Die Zeit verging nicht nur wie im Flug, sie war gleichzeitig für mich auch so relativ wie noch nie: immer wieder wollte ich sie am liebsten vorspulen zu Momenten und Erlebnissen, auf die ich mich seit langem freute; andererseits hätte ich sie etliche Male am liebsten angehalten, um ebensolche Augenblicke verlängern zu können; und genauso wünschte ich mir zwischendurch immer wieder, die Zeit zurückdrehen zu können, um bestimmte Geschehnisse nochmal zu wiederholen.
Wie bereits 2024, beherrschte die Fotografie neben dem Studium auch in diesem Jahr wieder einen Großteil meines Alltags, worüber ich sehr dankbar bin. Etliche Wochen verbrachte ich auf Reisen, durfte viele erlebnisreiche Workshops leiten, meine Leidenschaft ein Stückchen mehr zum Beruf machen und mit inspirierenden Menschen unterwegs sein. Waren es Freund*innen, Kolleg*innen oder Teilnehmende, die mich begleiteten, für mich war 2025 ein voller Terminkalender, ein Jahr der Begegnungen und des Trubels.
Vielleicht ist mein persönliches Highlight dieses Jahres gerade deshalb ein kleines Ritual, das ich mir im Laufe der zahlreichen Reisen geschaffen habe. Fernab des genannten Trubels, der eng getakteten Zeitpläne und des ständigen Austauschs mit Mitreisenden nahm ich mir nach Möglichkeit jeden Abend, nachdem alle anderen in ihre Hütten, Zelte oder Zimmer verschwunden waren, ein paar Minuten nur für mich selbst, um die Stille in der Natur in absoluter Ruhe zu genießen.
Wenn ich allein im Dunkeln saß, konnte ich zur Ruhe kommen, den Tag Revue passieren lassen und realisieren, was alles geschehen war. Ganz besonders in Erinnerung bleiben wird mir die Zeit in Namibia, als wir in sechs Tagen die Namib-Wüste von Lüderitz nach Walvis Bay durchquerten, fernab von Zivilisation oder gar Handyempfang. Jede Nacht entfernte ich mich ein paar hundert Meter von unserem Camp und den Jeeps und legte mich in den Wüstensand, der Blick in den unendlichen Sternenhimmel, und ließ alle Gefühle und Gedanken zu, die in mir umherschwirrten. Zwischen Dünen und Milchstraße erlebte ich mein kleines Ritual so intensiv wie nirgends sonst, was diese Zeit für mich ganz besonders macht(e).
2026 wird ein neues Jahr mit neuen und alten Herausforderungen, es gibt noch einiges aufzuarbeiten (nicht nur an Fotos auf den Festplatten), doch ich bin zuversichtlich und gespannt auf das, was kommt.
Und dann kam Matera!
von Walter Luttenberger
Venedig ist für mich die schönste Stadt der Welt (und ich darf min. 2x im Jahr mit meinen Workshops dort sein), New York ist schlichtweg faszinierend, Marrakesch widerum ist unglaublich lebendig und Edinburgh beeindruckt mit seinen wunderbaren georgianischen Gebäuden. Auf meinen zahlreichen Reisen seit 2007 habe ich viele schöne und beeindruckende Städte gesehen und dachte, dass mich keine Stadt mehr wirklich überraschen kann. Und dann kam Matera.....
Über Venedig habe ich schon geschrieben, die Toskana ist sowieso meine Sehnsuchtsgegend, in der ich mich am Wohlsten fühle. Aber südlicher als bis an die Amalfi-Küste hatte ich es bisher in Italien noch nicht geschafft. Umso mehr habe ich mich gefreut, als meine Ankündigung einer Apulien-Fotoreise bei Landschaftsfotografen und Fotoreisenden so gut angekommen ist, dass wir sogleich eine Scoutingreise auf die Beine stellen konnten. Es folgte 1 Woche Recherche am heimischen Rechner. Auf YouTube, Instagram, Google und diversen Location-Seiten habe ich alles zusammengetragen, was es über Apulien zu sehen oder zu wissen gibt. Somit stand meine Route schon fast vollständig fest.
Und dann erinnerte ich mich an eine Fotoserie von meinem Freund und Kollengen Rohan Reilly, mit dem ich schon vor 10 Jahren gemeinsam in Venedig fotografiert hatte. Ich sah seine Aufnahmen von einer Stadt aus Süditalien vor mir, die sehr hell und fast reinweiß waren. Die gleichförmge Architektur und das Fehlen jeglicher Bauten, die sich nicht in das Stadtensemble einpassten, ergaben eine schlichte, aber faszinierende Komposition. Matera liegt zwar geografisch nicht mehr in Apulien, sondern in Basilikata, aber gleich an der Grenze der beiden Bundesländer und durfte somit nicht auf unserer Scoutingreise fehlen.
Angekommen in Materas Neustadt, fehlte zuerst jegliche Faszination, denn es handelt sich um eine ganz gewöhnliche, italienische Stadt. Das Fahrzeug mussten wir in einer Garage zurücklassen und wurden anschließend zum alten Stadtteil gefahren. Hinter den letzten modernen Häusern verbirgt sich dann, in einer Senke, das UNESCO-Weltkulturerbe Matera. Schon der erste Blick auf die Stadt offenbart das Besondere: alle Häuser sind in einem leicht warmgefärbten Weiß gestrichen, es gibt keine höheren Gebäude (außer dem Duomo, der die Stadt überragt) und eine Gleichmäßigkeit in der Architektur der Häuser ergibt eine Repedition, die das Auge sofort beruhigt. Leider war nur 1 Übernächtigung in Matera eingeplant und wir hatten nich genügend Zeit um alle interessanten Fotospots zu besuchen. Doch schon im Herbst 2026, bei unserem nächsten Besuch, werden wir mehr Zeit haben um diese faszinierende Stadt und die ursprünglichen Höhlenwohnungen auf der anderen Seite des Flusses Gravina genauer zu erkunden.
Gedanken am Strand
von Nicolas Alexander Otto
Die Wellen formten diese Steinformationen über Jahrtausende hinweg, und sie waren schon dort, als ich vor mittlerweile 13 Jahren zum ersten Mal diesen kleinen Strand in Nordspanien betrat. Allerdings interessierte ich mich damals kaum für sie, ich nahm sie nur am Rande wahr. Ich fotografierte ein paar der ungewöhnlichen Strukturen, doch mit meinem Blick auf die gesamte Szene fixiert, bearbeitete und veröffentlichte ich letztlich kein einziges Bild von ihnen.
Erst viele Jahre später, 2025, sollte ich zurückkehren. Teils wegen der amerikanischen Politik, die mich und einen Freund davon abhielt, wie ursprünglich geplant in die USA zu reisen, teils wegen der günstigen Flugpreise nach Bilbao wurde es schließlich das Baskenland. Ein wenig Nostalgie spielte sicher auch eine Rolle. Doch die Vorzeichen der Reise waren gänzlich andere. Damals war ich schließlich noch Student, frei und ungebunden.
Mittlerweile bin ich seit nunmehr vier Jahren komplett selbstständig als Landschaftsfotograf – ohne meinen Lehrerberuf, dem ich in den sechs Jahren davor noch nachging, um meine Teilselbstständigkeit zu finanzieren. Auch mein viertes Jahr der Selbständigkeit war sicherlich nicht schlecht: Ich konnte mich gut über Wasser halten ein wenig für's Alter sparen und nebenbei ein wenig von der Welt entdecken – gemeinsam mit meinen Reiseteilnehmern auf Fotoreisen, aber auch ein wenig allein, auch wenn dafür zunehmend die Zeit fehlt.
Interessanterweise musste ich feststellen, dass das, was mich früher antrieb, diesen Beruf auszuüben, langsam von einem überbordenden Professionalismus verdrängt wurde. Statt am Strand zu sitzen und den Wellen zuzuschauen, bis die Tide den richtigen Stand erreicht hatte, hielt ich meist das Handy in der Hand: schrieb E-Mails zur Organisation meiner Reisen, besorgte Materialien für das nächste Shooting, kommunizierte mit zukünftigen Reiseteilnehmern oder skizzierte einen Vortrag für den nächsten Workshop. Dabei hatte ich meinen Laptop doch extra daheim gelassen, damit mir genau das nicht passieren würde. Mein Freund Phil, mit dem ich seit über zehn Jahren unterwegs bin, musste mich – gemeinsam mit meiner Freundin – jeden Tag daran erinnern, dass ich nicht zum Arbeiten dort sei. Schließlich war es eigentlich ihre Idee gewesen, dass ich einmal nur für mich fotografieren sollte, ohne meinen Job im Hinterkopf - wie früher eben.
Es sollte ein Leichtes sein, doch wie das mit den Gedanken so ist, gelang es mir partout nicht, mich von der Arbeit zu lösen. Schließlich ist auch jedes Bild, das ich mache, potenziell ein Foto für ein Buch, einen Vortrag oder ein Onlineseminar.
So dauerte jedes Mal eine Weile, bis ich loslassen konnte und mich auf das konzentrierte, was für meine Reisegäste so selbstverständlich zu sein scheint: das Fotografieren um des Spaßes willen. Mihály Csíkszentmihályi, seines Zeichens Psychologe, beschrieb diesen Zustand – das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit – in seinem 1975 erschinenen Buch Beyond Boredom and Anxiety als Flow. Etwas, das ich vom Sport und auch früher vom Fotografieren nur zu gut kannte. Hatte ich meine Kamera in der Hand, waren Schlaf, Essen, Kälte oder andere Körperlichkeiten vollkommen ausgeblendet. Dieses Gefühl wollte sich nun nicht mehr einstellen. Ich konnte mich einfach nicht mehr unbeschwert auf meine liebste Tätigkeit einlassen, ohne mit einer Gehirnhälfte schon wieder an Marketing für eine Tour, Teilnehmerzahlen oder den nächsten Artikel zu denken.
Es begann mir Angst zu machen, dass ich – wie man im Englischen sagt – mein Mojo verloren hatte. Ich sprach mit Phil und meiner Freundin darüber und erinnerte mich an ein Gespräch mit einem anderen Landschaftsfotografen vor vielen Jahren, der mir erzählte, dass er kurz davor gewesen sei, seine Kamera an den Nagel zu hängen, weil sein Beruf ihm die Liebe zu dem genommen hatte, was für mich die schönste Tätigkeit der Welt ist. Keine Sorge: Er fotografiert noch heute, allerdings deutlich weniger, da er ein zweites Business aufgebaut hat, um nicht mehr von der Landschaftsfotografie leben zu müssen. Dafür, so sagte er, könne er seine Reisen durch die Wüsten Südwestafrikas wieder so genießen wie vor 15 Jahren.
Lustigerweise wurde mir bei diesem Gedanken ganz anders, denn es gibt nach wie vor nichts, was ich lieber tun würde, als gemeinsam mit meinen Reisegästen, Kollegen und Freunden – und seit diesem Jahr auch mit meiner Partnerin Juli – die Welt zu erkunden und zu fotografieren. Leider gehört die administrative Arbeit, die etwa 70 % meiner Selbstständigkeit ausmacht, aber untrennbar dazu. Und ich schaffe es nicht mehr sie hinter mir zurück daheim im Büro zu lassen.
Als ich nun an diesem Strand stand, das Wasser mir über die Füße schwappte und die blaue Stunde langsam begann, konnte ich zum ersten Mal seit Monaten wieder so fotografieren, wie ich es eigentlich im Kopf habe: unbeschwert und unvoreingenommen. Nicht wegen externer Validierung, nicht weil ich glaubte, dieses Bild würde mich weiterbringen, sondern weil mich das Spiel aus Form und Farbe reizte. Mehr noch als vor 13 Jahren, als ich zum ersten Mal dort stand und diese Steine für mich eher nebensächlich waren.
Ob es eine fotografische Entwicklung war, die meinen Blick veränderte, oder einfach der Wunsch nach Abwechslung, nachdem ich in den letzten Jahren so viele Landschaften fotografiert hatte, weiß ich nicht. Aber mein Kopf war zum ersten Mal seit vielen Tagen und Wochen nicht bei meinem Beruf, obwohl ich die Kamera in der Hand hielt, sondern einfach an der spanischen Küste: mit den Füßen im kalten Salzwasser, dem Sand zwischen den Zehen und dem Wind im Gesicht. Vielleicht einfach, weil diese Art Bild nicht in meinen Fundus passt, ich sie nicht für einen Vortrag gebrauchen kann, vielleicht weil die Linien und Formen einfach so anschmiegsam und fremdartig wirken. Manchmal reicht es sich vom bekannten zu lösen, um dem Leistungs- und Erwartungsdruck zu entfliehen.
Ich konnte mich wieder ein wenig fühlen wie der Student von damals, der einfach ins Auto stieg und nach Spanien fuhr, um einen kleinen Teil der weiten Welt zu entdecken und sich darin wohlzufühlen. Ein Moment, der mir zeigte, dass es trotz all der stressigen Phasen in meinem Leben jede Minute im Büro und jede Stunde im Flieger wert ist, genau das zu tun, was ich tue. Denn meine Liebe zur Landschaftsfotografie ist nach wie vor ungebrochen – und ich habe das Gefühl, etwas gelernt zu haben, das mir hilft, mich für die trüberen Tage im Office besser zu wappnen. Denn ich weiß, das dieses Gefühl noch immer da ist, mag es sich auch nicht immer einstellen, so kann ich es anfüttern, ein wenig mehr Holz ins Feuer werfen und mit etwas Glück dabei zu sehen wie es wieder größer wird. Wie diese Momente wieder etwas mehr werden und die Unbeschwertheit beim Fotografieren hin und wieder Einzug findet. Es wird nie wieder genau so sein, wie damals - schließlich habe ich mich dazu entschieden von der Landschaftsfotografie leben zu wollen - aber es ist möglich sich etwas davon zu bewahren, es zu Hüten und immer mal wieder auf sich wirken zu lassen. Ich für meinen Teil freue mich darauf im Januar wieder mit meinen Reiseteilnehmern im eisigen Lappland zu fotografieren und meine Faszination für die Landschaftsfotografie teilen zu dürfen.
Landschaftsfotografie in all ihren Facetten
von Kilian Schönberger
Die letzten Stunden des Jahres 2025 sind angebrochen - Zeit, noch einmal wichtige Momente und Ereignisse Revue passieren zu lassen. Landschaftsfotograf zu sein ist für mich weit mehr als ein Job - es ist eine Berufung. Daher bin ich dankbar, dass ich sie in unterschiedlichen Disziplinen erleben darf. In der Form von Workshops und Fotoreisen - aber auch als Auftragsarbeit, für Verlage und Magazine, für kommerzielle und private Kunden. Neben unzähligen digitalen Bildern, die im Lauf des Jahres auf meinen Speicherkarten landeten, bleiben mir insbesondere die gedruckten Fotos in Erinnerung. Ob im Format von 10 mal 4 Metern an der Museumswand oder kleiner - aber auf über 300 Seiten - in meinem neuen Bildband “The Woods”. Diese Erfahrungen beim Erarbeiten von Fotos kann ich wiederum in meine Workshops einbringen. Auch 2025 habe ich mein Konzept von kürzeren und längeren Fotoreisen fortgeführt. Mein Ziel ist immer das bestmögliche aus den jeweiligen Bedingungen herauszuholen - stets konnte ich auf meine Wetter- und Lichtexpertise zurückgreifen und den Gruppen auch dann noch überraschende Motive präsentieren, wenn manche allein unterwegs vielleicht schon kapituliert hätten. Wahre Sternstunden bot die Pilzfotografie bei den Herbst-Workshops. Wir Fotografen und Fotografen lernen in jeder Minute, in der wir draußen reale Momente erleben. Ich gebe meine Erfahrungen weiter, aber auf jeder Reise lerne ich auch von euch. Fotografie als Erlebnis ist mir in den vergangenen 12 Monaten noch bewusster geworden. In einer Zeit, in der KI generierte Inhalte auf den Sozialen Medien einen immer größeren Raum einnehmen, sind diese echten Erfahrungen viel wert. Und ich bin froh darüber, diese mit euch erleben zu dürfen! Auch 2026 hat schon wieder viele Höhepunkte in petto. Im April geht es auf die Hebriden in Schottland (zusammen mit Alex), dann folgen Berchtesgaden und weitere Workshops Schlag auf Schlag (ein paar mehr sind gerade noch in Planung). Ich bin gespannt, welche tollen Momente in diesem Jahr auf die Gruppen und mich warten. Auch weitere fotografische Höhepunkte sind schon im Kalender markiert - im Gasometer in Oberhausen schmücken mehrere meiner Fotos die kommende Ausstellung, einer weiteren Museumseröffnung fiebere ich entgegen. Und wie immer gilt: Nach dem Buch ist vor dem Buch. Während der Arbeit an “The Woods” habe ich dieses Jahr natürlich auch fotografiert. Für ein mir persönlich wichtiges Projekt war ich 2025 an Dutzenden Tagen unterwegs. Die dabei gemachten Bilder sind noch komplett unveröffentlicht - aber sie dürften ein wunderbares Beispiel dafür sein, was in der Landschaftsfotografie möglich ist, wenn man seine Hingabe auf echte Momente und Orte konzentriert. Danke an alle, die mein 2025 bereichert haben, ich freue mich auf 2026! Mit diesen Glückspilzen wünsche ich allen Fotografinnen und Fotografen gut Licht!