Ich habe in diesen Blogartikel ein paar Erlebnisse zusamen geschrieben die mir in Erinnerung geblieben sind. Diese ereigneten sich jedoch nicht während einer Reise...

Das Abenteuer Finnland beginnt ein weiteres mal. Nach dem Flug und einer etwa 3stündigen Autofahrt erreichen wir unser Basiscamp Kuikka. Während der Fahrt werden die Klischees Finnlands völlig erfüllt. Auf schier endlosen Straßen durchquert man fast ständig Wälder und hinter jeder Ecke wartet ein neuer See. Das Land erscheint flach und unsere Strassen werden immer kleiner. Unser Camp, das von Lassi Rautiainen und seiner Familie geführt wird, liegt nahe der russischen Grenze. Es besteht aus einem roten Haupthaus und ein paar kleineren Nebengebäuden. Hier fühlt man sich richtig willkommen. Kuikka bietet den idealen Standort für alle Aktivitäten der kommenden Tage. Die Stimmung im Camp ist sehr familiär und man kommt meist leicht mit anderen Fotografen ins Gespräch. Es liegt, wie soll es anders sein, im Wald direkt am See. Am Ufer des Sees liegen Kanus für kleine Ausflüge aber natürlich darf auch eine finnische Sauna nicht fehlen. Lassi begrüßt uns freundlich und nach dem späten Abendessen gehen wir erschöpft von der Anreise auf die Zimmer. 

Nach dem Frühstück geht es auch schon fast los. Wir möchten diese Tage nicht nur bei Lassi fotografieren, sondern fahren auch einmal zu den Hides von Martin Selkonen. Diese liegen etwa 180km entfernt. Diese Fahrt nehmen wir auf uns, da wir uns hier ganz junge Bären mit ihrer Mutter erhoffen. Bei Lassi bleiben die Kleinen fern, da sich dort vorwiegend männliche große Braunbären angesiedelt haben und die Kleinen somit in größerer Gefahr wären. Doch bei Martin Selkonen sind die Gegebenhgeiten anders. Nach der langen Fahrt
wandern wir etwa 1,5km durch den finnischen Wald. Dann erreichen wir unser Fotoversteck. Schon bei der Ankunft sehen wir einen ersten Bären der wohl auf etwas zu Fressen wartet. Also schnell in die Hütte. Es ist eine große und bequeme Hütte. In ihr findet die komplette Reisegruppe Platz. Ebenfalls gibt es Betten zum Schlafen. Wir bauen unsere Kameras auf und die Bären werden immer mehr. Es wirkt fast wie im Zoo als vor der Hütte sicherlich 10 Braunbären umherlaufen und nach Futter suchen. Von den Hides bei Lassi bin ich etwas ganz anderes gewöhnt. Dort muss man teilweise länger warten und freut sich über jeden Bären. Hier weis man gar nicht was man als erstes fotografieren soll. Durch die vielen Bären ist die Umgebung leider auch ziemlich niedergetrampelt. Allgemein finde ich die Spannung bei Lassi besser und auch das Verhalten der Tiere wirkt viel natürlicher. Auch bei Martin Selkonen gibt es andere Hides mit schönerer Umgebung. Aber nur hier können wir alle für den ersten Abend zusammen sein. Wir sind wohl alle überfordert von all den Bären.Unter ihnen ist auch eine Mutter mit ihren beiden Jungen zu sehen. Sie fühlt sich so ungestört, dass wir sogar zusehen können wie sie ihre Kleinen säugt. Danach spielen die Jungen fröhlich miteinander. Doch plötzlich schauen beide erschrocken auf und klettern plötzlich einen Baum empor. Sie müssen wohl einen männlichen Bären wahrgenommen haben, der ihnen gefährlich werden kann. Dies ist ein wirklich schönes und wohl seltenes Fotomotiv. Die Zeit vergeht und das Licht sowie auch die Bären werden weniger und verschwinden. Wir machen es uns im Bett gemütlich bis zum Sonnenaufgang. Doch die Bären bleiben weg. Bei der Rückkehr genießen wir dann noch ein Frühstück in der Unterkunft von Martin Selkonen und machen uns auf die Heimfahrt zu Lassi.

Braunbären in Europa
Der europäische Braunbär bekommt etwa 350kg auf die Waage. Die Kodiakbären in Alaska schaffen da locker das doppelte. Braunbär ist somit nicht gleich Braunbär. Die Größe und das Gewicht sind regional unterschiedlich. Die Schulterhöhe liegt in Finnland bei maximal 110cm. Die Weibchen sind jedoch deutlich leichter und ebenfalls kleiner. In freier Wildbahn werden Braunbären durchschnittlich nur 6 Jahre alt. Ihr Maximalalter liegt jedoch bei 20-30 Jahren. Im Herbst können Braunbären täglich bis zu 40kg Nahrung zu sich nehmen. Sie setzen sich einen großen Wintervorrat an bevor sie Ende Oktober in ihre Winterhöhle gehen. Normalerweise dauert die Winterruhe bis Anfang April. Im Mai-Juni spielen die Hormone verrückt und es wird bei den Bären für Nachwuchs gesorgt. Die Jungen kommen dann im Winter zur Welt etwa im Januar-Februar. Nach mehreren Wochen verlassen sie ihre Bärenhöhle und die zwei bis drei Jungen trotten ihrer Mutter hinterher durch die Wälder der Umgebung. Für die Mutter beginnt nun eine stressige Zeit. Sie ist ständig in Alarmbereitschaft. Männliche ausgewachsene Bären versuchen nicht selten die Jungen zu töten um sich mit der Mutter wieder schneller paaren zu können. Wenn ein Männchen auftaucht verschwindet die Mutter mit den Welpen oder sie scheucht die Kleinen auf einen hohen Baum. Bären sind hervorragende Kletterer doch die ausgewachsenen Männchen können wegen ihrem hohen Gewichts nicht so weit hinterher klettern. Im Ernstfall würde die Mutter die Welpen aber auch verteidigen. Die Jungtiere bleiben etwa 1-2 Jahre bei ihrer Mutter. Sie erlernen alles nötige und müssen dann auf eigenen Beinen stehen. Häufig bleiben die Geschwister dann noch zusammen, um die ersten Jahre gemeinsam zu bestreiten. In Deutschland wurde der letzte Braunbär 1835 in Ruhpolding beseitigt. Das liegt nur etwa 10 Minuten von mir Zuhause entfernt. Auch in Österreich und der Schweiz wurde der Bär im 19. Jahrhundert auf Wunsch der Obrigkeiten völlig ausgerottet. Seitdem gibt es nur hin und wieder eine Schlagzeile über ein einzelnes Individuum.  Erst vor ca. 2 Wochen lief in meiner Heimat ein Braunbär in eine Fotofalle. Doch die Medien schrieen sofort auf und Politiker berieten daraufhin über einen möglichen Abschuss oder eine Entnahme wie sie es gerne nennen. Häufig wird bei Bären das Wort Raubtier verwendet. Dabei waren die riesigen Höhlenbären der Eiszeit mit etwa 1,5 Tonnen reine Vegetarier. Ihre Nachkommen die Braunbären sind Allesfresser. Sie ernähren sich zu etwa 80% durch Pflanzen. Meist durchstreifen sie die Wälder auf der Suche nach Beeren, Nüssen, Baumrinde, Maden, Pilzen oder Früchten wie Eicheln und Bucheckern. Das Fleisch kommt von kleinen Nagern, Vögel, Frösche oder aber auch Aas verschmähen sie nicht. Sie sind keine aktiven Jäger was größere Beutetiere betrifft doch Rehkitze und kranke Tiere fressen sie auch gerne wenn sie eines entdecken. Es kommt nur sehr selten zu einen Angriff durch Braunbären. Meist liegt dann ein Fehlverhalten der Menschen zugrunde. Im Normalfall haben sie in Europa vorwiegend Angst vor uns und man bekommt Bären so gut wie nie zu Gesicht. Bei einer Begegnung mit Braunbären sollte man sich ruhig Verhalten. Kommt es wirklich zum Angriff ist das Beste sich tot zu stellen. Meistens lässt der Bär dann von einen ab. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 50km/h bringt weglaufen nicht sonderlich viel. Ebenfalls sind die Tiere gut im Klettern. Richtet sich ein Bär auf, möchte er sich nur einen Überblick verschaffen. Bären nehmen Menschen besonders über Geruch und Gehör wahr. Man kann also auch ein Glöckchen an den Rucksack hängen oder ähnliches.

Nach einer längeren Fahrt erreichen wir wieder das Camp von Lassi. Ich springe noch kurz in den See um mich etwas zu erfrischen, fahre eine kleine Runde mit dem Kanu und lege mich noch kurz hin bis wir uns 2 Stunden später wieder treffen. Das Abendessen schmeckt wie immer hervorragend und danach geht es an den Lake. Dieses Fotoversteck befindet sich so wie auch die anderen in der Sperrzone zwischen Finnland und Russland. Da hier kaum Menschen unterwegs sein dürfen, ist das Vorkommen von Tieren besonders zahlreich. Unser Hide hat eine wirklich schöne Lage direkt an einem kleinem See oder besser gesagt Tümpel. Wenn alles gut läuft, können wir hier eine wunderschöne Spiegelung der Tiere einfangen. Doch nun heißt es erst einmal warten. Es herrscht Stille. Nur das kreischen der Möwen ist zu hören. Unterbrochen wird dieses Kreischen nur durch das Krächzen von Raben oder den Rufen anderer Vögel. Man verharrt fast regungslos, um diese Atmosphäre nicht zu stören und die Tiere nicht zu verschrecken. Ja sogar die Gurke im Sandwich scheint zu viel Lärm zu erzeugen, in dieser Einsamkeit. Neben den Möwen hat sich nun auch ein Seeadler in der Nähe nieder gelassen und beobachtet von einen alten Baumstamm herab die Szene. Doch ist dieser leider hinter ein paar Zweigen versteckt und von meiner Position aus kaum zu fotografieren. 
Die Stunden vergehen. Wir warten noch immer angespannt. Die Sonne ist bereits um 23:30 unter gegangen und noch kein Tier kam bisher vorbei. Es ist bereits eine dunkle Atmosphäre auch wenn es zu dieser Jahreszeit nie richtig finster wird. Ich sehe einen kleinen Schemen etwas sprungartig heran kommen. Die Bewegung eines Vielfrass wie genial. Das unruhige Tier sucht das Ufer nach Nahrung ab. Dadurch kommt es zu schönen Spiegelungen. Die Lichtverhältnisse sind zwar nicht ideal aber trotzdem entstehen ein paar Bilder dieses Tieres. Als die Sonne bereits wieder aufgegangen ist kommt ein Bär von der linken Seite. Es ist doch immer wieder beeindruckend wie leise sich diese großen Tiere bewegen können. Es handelt sich um ein beachtliches Männchen. Einer von ca. 1400 Bären Finnlands steht vor uns und ist hier ca. 40 Minuten auf Nahrungssuche. Neben der Fotografie ist das beobachten allein schon ein großes Erlebnis in diesen Hides. Zu sehen wie der Bär einen Tierkadaver mit seinen Gebiss mit Leichtigkeit zerreisst oder sein Schnauben die Stille durchbricht werde ich wohl nie vergessen. Ein weiterer Bär kommt am See vorbei und holt sich noch seinen Teil des Kadavers ab. Am Morgen geht es dann zurück in das Basiscamp zum Frühstück.

Nach dem Frühstück gehe ich an eine Futterstelle für Vögel. Lassis Familie hat hier speziell etwas für die Fotografie vorbereitet. So kann man die Vögel gespiegelt im Wasser fotografieren. Auch Eichhörnchen klettern hier umher und holen sich immer wieder ihren Anteil vom Vogelfutter. Doch irgendwann muss ich etwas Schlaf nachholen. Ich treffe die Teilnehmer der Reise wieder für einen kleinen Vortrag über Wildtierfotografie. Danach gibt es das tägliche Abendessen. Im Anschluss dazu geht es an meine Lieblingslocation. Diese wird Paradies genannt. Eine große offene Moorfläche die zu dieser JAhreszeit übersät ist mit Wollgrass. Ebenfalls stehen vereinzelt teilweise tote Bäume in dieser Landschaft. Heute Abend müssen wir nicht sonderlich lange warten und schon nach 1 Stunde kommt der erste Bär. Von weitem schreitet er durch das Wollgrass in Richtung des Kadavers der hier ausgelegt wurde um die Tiere anzulocken. Ebenfalls nutzt Lassi teilweise Fischreste oder aber auch Hundefutter. Bis auf wenige Meter kommt er an unsere Hütte und wir können das Tier besonders gut beobachten. Längere Zeit vergeht und nichts passiert. Doch dann erblickt einer der Teilnehmer einen Wolf. Er bewegt sich durch das Wollgras auf uns zu. Was für ein Moment. Der Wolf erscheint vorsichtiger als die Bären und blickt immer wieder auf. Dann ist er auch wieder verschwunden. Etwas später kommt er erneut. Als er nun in die Luft schnuppert taucht ein zweiter auf der von der anderen Seite langsam angelaufen kommt. Was uns jetzt erwartet lässt uns beinahe das Atmen vergessen. Die Wölfe beginnen miteinander zu spielen. Das in der Natur zu beobachten. Wieviel Glück kann man nur haben?! Diese Nacht kamen die Wölfe noch einmal vorbei. Überglücklich fahren wir am Morgen zum Frühstück und können endlich laut über das Erlebte sprechen.

Weiter Nächte folgen. An manchen gibt es eine höhere Aktivität der Tiere und an anderen ist weniger los. Aber das ist eben auch das spannende an den Hides von Lassi Rautiainen. Man weis nie genau was einen erwarten und so wird es nie langweilig. Egal ob ein schleichender Wolf oder kämpfende Bären es vergeht keine Nacht ohne Sichtung.

Neben den Bären, Wölfen und Vielfrass war ein weiteres einzigartiges Erlebnis mit Sicherheit der Ausflug zu Eulen. Wir dürfen einen Biologen begleiten welcher für Eulen und andere Greifvögel zuständig ist. Er beringt sie, erforscht ihr Verhalten und hält die Population ider Region fest. So bekommen wir Einblick in seine Arbeit. An nur einem Tag mit ihm sehen wir einen Sperlingskauz, Rauhfusskauz, Habichtskauz sowie einen Uhu. Am beeindruckendsten ist wahrscheinlich der Ästling des Habichtskauz. Um diesen zu beringen, muss der Biologe einen Motorradhelm aufsetzen, da die Muttertiere häufig sehr aggressiv auf die Störung reagieren. Doch diese Mutter blieb entspannt und so können wir auch noch schnell ein Foto des Jungvogels machen. Die Fotografie der Eulen ist jedoch jedes Jahr unterschiedlich. Es gibt Jahre mit wenigen Tieren. Im nächsten Jahr hat der Biologe keine Zeit. Daher ist diese Tour immer optional in meinen Reisen dabei.

Die Tage vergehenen wie im Flug und der Schlaf kommt definitiv zu kurz. Wir schafften vielleicht im Schnitt 4 Stunden pro Tag. Doch niemand stört sich daran. Im Gegenteil jeder war im Jagdfieber und konnte es kaum abwarten bis es wieder raus in die Wildnis ging. Ich freue mich jetzt schon auf viele weitere Begegnungen mit der Tierwelt in Finnland.

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