Mit dem Bus geht es vom kleinen Flughafen in den Ortskern. Während der Fahrt erkennt man aus dem Fenster die Reste stillgelegter Zechen. Nur in einer davon wird heute noch Kohle gefördert. Die Stadt oder besser das Dorf mit seinen etwas über 2000 Einwohnern erfüllt all meine Erwartungen. So stellt man sich einen der nördlichsten Orte unserer Welt vor. Es erscheint schnell und pragmatisch erbaut zu sein. Die Liebe zum Detail findet hier keinen Platz. Was 1906 als Bergarbeiterdorf begann entwickelte sich bis heute zum Ausgangspunkt für alle Expeditionen rund um Svalbard. Im Stadtzentrum gibt es Souvenirshops und Ausstattung für alle möglichen Outdooraktivitäten. In den Gärten stehen Motorschlitten, welche  auf den Winter warten. Im Sommer ist die beste Möglichkeit voran zu kommen das Schiff.

Im Winter wenn die Fjorde teilweise zugefroren sind und Schnee liegt ist es dagegen der Motorschlitten. Neben den Menschen findet man auch erste Tiere im Ort. So kann es schon vorkommen, dass ein wildes Rentier im Vorgarten eines Hauses nach essbarem sucht. Ebenfalls haben sich viele Eiderenten am Rand des Ortes zum Brüten angesiedelt. Im Hafen ankern Schiffe und warten darauf bis sie auf eine neue Abenteuerfahrt gehen. Auch unser Schiff wartet bereits auf uns. Wir werden auf einem Segelschiff die nächsten 10 Tage auf der See verbringen. Die Rembrandt van Rijn ist ein Dreimastschoner und bietet 32 Passagieren Platz. Beim Anblick der großen Schiffe, die teilweise viele hundert Menschen Platz bieten, freue ich mich über meine Entscheidung für das charmante Segelschiff. Am späten Nachmittag legen wir auch schon ab und segeln entlang des Isfjords. Ich stehe am Deck des Schiffes und genieße die Atmosphäre. Beim Anblick all der spitzen schneebedeckten Berge erinnere ich mich wieder an die Entstehungsgeschichte von Spitzbergen.

Den Namen hat die Insel übrigens holländischen Entdeckern zu verdanken. Diese waren wohl von den gezackten und spitzen Bergen so verzaubert wie ich gerade. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein als diese Pioniere im Jahr 1596 das erste mal die Spitzen Berge im Norden des Landes aus dem Nebel ragen sahen.

Doch begann die Geschichte natürlich viel früher. Einmal vor langer Zeit sah unsere Welt noch völlig anders aus. Die Inselgruppe Svalbard wurde von  riesigen Farnwäldern bedeckt. Zu dieser Zeit lag die Inselgruppe noch am Äquator wurde aber durch den Kontinentaldrift immer weiter nördlich getragen. Die Wälder von vor 350 Millionen Jahren sorgten für eine dicke Torfschicht. Diese liegt nun unter Lehm und Kies vergraben. Vor 60 Millionen Jahren war Svalbard bereits auf der Höhe des südlichen Norwegen. Was heute Eisbären sind, waren bis zu dieser Zeit noch Dinosaurier. Diese streiften durch die Wälder der Inseln. Anhand von Fossilien können Geologen  die Geschichte gut und einfach betrachten. Es gibt Funde von großen Blättern über Dinosaurier bis hin zu 700 Millionen alte Algen.

Bei all diesen Gedanken zieht die Landschaft langsam an mir vorbei. Ein Walross kreuzt unseren Weg ebenso wie ein Zwergwal der kurz seinen üRcken aus dem Wasser hebt und danach auch schon wieder abtaucht. In Spitzbergen kann man unterschiedliche Wale treffen. Darunter ist auch der Finnwal, Buckelwal, Schwertwal, Pottwal und das größte Säugetier der Blauwal. Der Grönlandwal war einst am zahlreichsten vertreten. Doch ist dieser gutmütige Wal langsam und ohne Scheu. Dies nutzten Walfänger im 17Jh. aus und töteten alle Tiere in nur wenigen Jahren. Die Rückkehr des Görnlandwals geschieht nur sehr langsam. Der Wal wird bis zu 300 Jahre alt und hat keine natürlichen Feinde. Die Natur hatte somit nicht vorgesehen, dass er sich schnell vermehren muss. Die Umweltverschmutzung trägt zudem noch negativ dazu bei. Schließlich erreichen Alkhornet am Eingang des Isfjords. Eine markante Bergspitze mit tausenden Vögeln. Ein Polarfuchs läuft auf der Suche nach etwas fressbarem umher. Die Arktis mit all ihren Tieren hat mich bereits am ersten Tag in ihren Bann gezogen. Wir steigen in die Zodiacs und machen unseren ersten Landgang.

Doch bevor wir anlanden dürfen, kontrollieren unsere ausgebildeten Guides die Gegend. Dabei sind sie ausgerüstet mit einer Schreckschusspistole sowie einen scharfen Gewehr. Die Guides nehmen dies sehr ernst. Mit den Eisbären ist einfach nicht zu spassen. Das einzige Tier auf dem wir so richtig mit am Speiseplan stehen. An Land genießen wir das Vogelleben. Wir beobachten Schneehühner und die vorbeifliegenden Krabbentaucher. Während der Wanderung kommt auch ein Polarfuchs ganz nah. Als würde er kur hallo sagen steht er 10m vor uns. Er betrachtet die Gruppe und verschwindet dann wieder zwischen den Felsen

Polarfuchs
Der Polarfuchs kam vor etwa 120.000 Jahren nach Spitzbergen und ist heute auf allen Inseln angesiedelt. Das Tier hat gerade mal 50-65cm + 30cm Schwanz und ist somit kleiner als der Rotfuchs. Ebenfalls sind seine Beine kürzer und die Ohren runder als bei seinem Verwandten weiter südlich. Es gibt verschiedene Farbgebungen wie braun oder schwarz. Aber meist werden die Füchse im Sommer graublau und bekommen im Winter ihr weißes Fell. Manche bleiben jedoch das ganze Jahr graublau. Dieses Fell schützt sie auch bei extremsten Temperaturen. Es ist das dichteste und somit  wärmste Fell aller Säugetiere unserer Erde. Der Polarfuchs beginnt erst bei Temperaturen von -70 Grad so richtig zu frieren. Er ernährt sich im Sommer vorwiegend von Vögeln. Dabei verschmäht er nichts. Egal ob Eier, Kücken oder einen ausgewachsener Vogel. Daher haben Polarfüchse oft ihren Bau direkt unter einen Vogelfelsen. Er benötigt Fettreserven für den harten Winter. Auch die Jungen müssen bis zu dieser Zeit ordentlich Reserven anfressen. Daher sterben viele bereits im ersten Jahr. Im Winter lebt nur noch das Schneehuhn als einziger Vogel im kalten Norden. Der Polarfuchs ist somit auf Aas angewiesen. Egal ob ein verendetes Rentier oder die Reste von Eisbärennahrung, es wird nichts verschmäht. 

Nachdem wir nach dem Landgang wieder an Bord sind, hören wir von einen Wallrosskadaver. Dieser soll weit nördlich am Ufer liegen. So ein Kadaver ist immer eine sehr gute Möglichkeit Eisbären zu treffen. Durch den Rückgang des Packeises wird die Jagd auf Robben für die Bären immer schwieriger. Der König der Arktis verschmäht somit keine Gelegenheit an Fleisch zu kommen. Egal ob altes Aas oder ein frischer Riss, es wird alles gegessen. Mit diesem Wissen fahren wir die komplette Nacht hindurch immer weiter in den Norden. Als ich am Morgen wieder erwache ist strahlend blauer Himmel. In der Entfernung sieht man jedoch eine Nebelwand. Wir nehmen direkt Kurs darauf zu und werden in eine mysthische Stimmung verschluckt. Die Sichtweite ist teilweise unter 50m. Stille herrscht an Deck. Jeder lauscht in die Ferne. Ich komme mir vor wie in einem Piratenfilm. Unser Schiff gleitet durch diese Nebelwelt. Wir sind bereits an der Insel mit dem Kadaver. Doch die Sicht erschwert die Suche nach dem toten Wallross. Was ist das für ein weißer Fleck denke ich mir noch mit dem Blick durchs Fernglas als schon ein anderer an Bord meint Eisbär! Wow Tag 2 und wir bekommen schon unseren ersten Eisbären. Er steht über dem Kadaver und reißt Stücke heraus. Der Kadaver ist kaum noch zu erkennen um was es sich handelt nicht zuagen aber vermutlich ein richtig altes Wallross. Doch den Eisbären stört das wohl nicht. Viele Möwen beteiligen sich ebenfalls an diesen Festmahl. Ein zweiter Eisbär liegt etwas abseits beim Schlafen. Ja und dann kommt noch ein dritter. Was für eine Begegnung. Leider ist es häufig zu nebelig für gute Fotos. Doch hin und wieder kommt eine Lücke und erlaubt uns auch ein Foto zu machen. Die Eisbären interagieren schön miteinander. Man sieht deutlich welches der beiden Männchen mehr zu sagen hat. Natürlich ist dies das besser genährte. Vollgefressen verfolgt es dann auch das Weibchen. Doch dieses hat keine Lust auf eine Paarung und wehrt das Männchen mit einem Angriffssprung ab. Dieses nachlaufen der Männchen kann viele Wochen andauern bis das Weibchen doch endlich bereit ist zur Fortpflanzung. 

Eisbär

Der Eisbär ist sehr muskulös und elegant. Das Männchen bringt dabei mehr Masse auf die Waage als das Weibchen. Mit seinen bis zu 3m Länge kann er ganze 450kg wiegen. Das Weibchen hingegen nur etwa 350kg. Häufig erscheinen Eisbären nicht rein weiß sondern haben zusätzlich eine leichte Gelbfärbung. Doch das scheint nur so. In Wirklichkeit ist das Fell transparent. Somit kann Sonnenlicht die schwarze Haut erreichen. Die Schwarzfärbung sieht man deutlich an den Tatzen und der Schnauze. Durch die dunkle Haut kann sich der Bär schneller erwärmen und die Wärme besser speichern.

Bei bis zu -50 Grad im Winter macht dies durchaus Sinn.
Die Tiere sind extrem gute Schwimmer und die längste nachgewiesene Strecke liegt bei ganzen 450km ohne Pause.
Seit etwa 30 Jahren wurden die Tiere auf Spitzbergen geschützt. Leider ist das noch immer der einzige Ort weltweit. 
Durch den Schutz ist die Population wieder auf 3000 Exemplare rund um Svalbard gestiegen. Für viel mehr Eisbären fehlt inzwischen die Nahrung. Die großen Raubtiere haben es derzeit nicht einfach. Da sie am Ende der Nahrungskette stehen, nehmen sie sehr viele Umweltgifte auf. Dies führt teilweise zur Unfruchtbarkeit. Auch der Rückgang des Treibeises bringt Probleme mit sich. Die Bären haben es zunehmend schwieriger Robben zu jagen. In den wärmeren Monaten plündern sie daher inzwischen Vogelnester oder versuchen andere neue Jagdstrategien. So gibt es Individuen die sich bereits auf Rentiere spezialisiert haben. Ein Eisbär kann bis zu 6 Monaten ohne Nahrung leben. Die Tiere halten keinen Winterschlaf. Nur die Mütter mit ihren Jungen leben während der Zeit in einer Höhle. Diese werden zum Jahreswechsel in der Schneehöhle geboren. Sie verbringen die ersten Monate mit ihrer Mutter in der Schneehöhle und kommen Ende März/April das erste mal aus der Höhle heraus. Die Tiere erreichen in freier Wildbahn ungefähr ein Alter von 20-25 Jahren.

Nach mehreren Stunden die wir mit den Tieren genossen haben ging es kurz unter Deck zum Essen. Als wir wieder hoch kamen waren die Tiere verschwunden. Wir fuhren weiter durch den Nebel hindurch. Landgänge waren bei dieser Sicht zu gefährlich. Daher machten wir noch eine Zodiacrundfahrt als Ersatzprogramm. Nach 50m Meternwar von unseren Segelschiff nichts mehr zu sehen. Der Nebel verschluckte die Zodiacs. Eine gigantische Atmosphäre die sich uns da bot.
Es gibt hier häufig Planänderungen. Neben Plan A und B gibt es wohl auch noch C und D. Doch dies geschieht immer zu unseren Gunsten. Es macht eben durchaus Sinn sich dem Wetter an zu passen oder den Ruf eines Kadavers zu folgen. Ebenfalls gibt es dabei stets logistische Hürden. So bekommt immer nur ein Schiff die Genehmigung einen bestimmten Landgang zu machen. Dies ist zwar eine bürokratische Hürde mit viel Emailkontakt für unsere Guides, doch als Tourist erlebt man somit Spitzbergen fast ohne Kontakt zu anderen Schiffen und Menschen. Meist hat man das Gefühl alleine unterwegs zu sein.

Anschließend fahren wir nach Alicehamna um für die Nacht zu ankern. Am nächsten Morgen erwachen wir und sind komplett von Eis Umgeben. Treibeis hat uns über Nacht eingeschlossen. Dazu diese dunkle Nebelstimmung. In sehr weiter Ferne wurde ein Eisbär gesichtet, der versucht eine Robbe auf den Eis zu erbeuten. Ich stehe an Deck und versuche mich an der abstrakten Fotografie. Ich wische horizontal und erzeuge somit Bilder die nur auf Farbe und Linien reduziert sind. Das scheint mir gerade zu passen. Das Anlanden bereitet ein paar Schwierigkeiten. Durch das dichte Eis ist es für die Zodiacs etwas schwierig. Nach etwas Suche finden wir eine eisfreie Stelle und es geht an Land. Hier liegt noch viel Schnee. Daher werden Schneeschuhe verteilt und wir stapfen durch die winterliche Landschaft. Von einen kleinen Hügel bietet sich uns ein grandioser Anblick. Der Eisbär ist mit dem Fernglas noch immer zu erkennen. In mehreren Kilometern Entfernung wandert er weiter über das Eis. Aber ohne Verbindung an unsere Küste. 
Im Liefdefjorden, den Fjorde der Liebe, erwarten uns die ersten blau strahlenden Eisberge. Noch vor 2 Tagen hätten wir diesen Ort nicht erreicht. Eis bedeckte noch den kompletten Fjord. Doch dieses trieb wohl hinaus und wir erreichten die TexasBar. Eine alte Hütte von Fallenstelllern, die heute noch teilweise als Schalfplatz angemietet werden kann. Aber das Highlight in diesem Fjord ist der Monacobreen ein riesiger Gletscher der sein Eis dem Meer übergibt. Mit der anhaltenden Nebelstimmung ergeben sich tolle Motive. 

Gletscher
Heute sind auf Spitzbergen noch über 60% der Fläche von Gletschern bedeckt. Das Besondere daran ist, dass fast alle Gletscher direkt in das Meer kalben. So schwimmt in den Fjorden häufig Eis. Es gibt über 2100 Gletscher auf Svalbard. Einige davon sind ganze 600m dick. Der Austfona ist der größte unter ihnen. In der Weltranglise steht er auf Platz 3 mit einer Abbruchkante von 150km. Doch ziehen sich die Gletscher auf Spitzbergen wie auch anderswo rasant zurück. In den letzten 100 Jahren zogen sich manche um ganze 15km der Länge nach zurück. Aber natürlich verlieren sie zusätzlich auch an Höhe.


Ebenfalls können wir am Monacobreen eine der seltenen Elfenbeinmöwen beobachten. Diese zieht ihre Bahnen vor der Abbruchkante des Gletschers und ist ein großes Highlight für alle Ornithologen an Bord. Für meinen Kabinenmitbewohner geht ein Traum in Erfüllung. Am Abend gibt es daher eine Runde Whiskey für das ganze Schiff auf seine Kosten. Ein Highlight jagt das Nächste auf dieser Reise . Der darauffolgende Landgang muss abgesagt werden. Doch einen schöneren Grund könnte ich mir kaum vorstellen. Eine Eisbärenmutter spaziert mit ihrem Jungen an der Küste entlang. Bis sie schließlich in guter Entfernung für schöne Bilder sind. Der Schnee in der Umgebung macht das Bild perfekt. Eine ganz minimalistische Darstellung der Tiere in einer verschneiten Umgebung. Wir können die beiden Tiere über mehrere Stunden beobachten. Der Schneefall gibt dem Ganzen noch die extra Portion Norden. Am Ende sind die Tiere in weiter Entfernung. Vermutlich fanden sie durch ihren guten Geruchssinn ein totes Rentier. Eisbären können Beute teilweise über 10km wahrnehmen. Das Kleine purzelt durch den Schnee und wirft Teile des Rentiers hin und her und spielt völlig ausgelassen. Wie schön kann es sein Tiere zu beobachten. Ein spielendes Eisbärenjunges in freier Wildbahn. Es ist einfach nur verrückt was man hier erleben darf. Ein so großes Privileg!

Unser nächster Stop ist eine Trapperhütte aus dem Jahr 1930. Hier lebte einst ein Norweger zusammen mit einem Österreicher. Sie verbrachten ihre Zeit damit Polarfüchse zu jagen und deren Felle zu verkaufen. Christiane Ritter die Ehefrau des Österreichers verbrachte in dieser kleinen Hütte dann ebenfalls ein Jahr zusammen mit den beiden Fallenstellern. Teilweise war sie jedoch Wochen ohne ihren Mann, da dieser auf der Jagd unterwegs war. In kompletter Finsternis und alleine am Ende der Welt erlebte Christiane Ritter so einiges. Diese Erlebnisse schrieb sie nach ihrer Rückkehr in einem Buch zusammen. Das Buch nennt sich „Eine Frau erlebt die Polarnacht“. So wie diese suchten noch weitere Menschen auf Spitzbergen ihr Glück. Manche wurden davon reich. So erlegten von 1630-35 Walfänger zehntausende Grönlandwale. Im Jahr 1640 war er bereits so gut wie ausgerottet. Den langsamen Wallrossen ging es von 1830-34 auch nicht besser. In dieser Zeit wurden etwa 7000 Tiere getötet und es gab keine Tiere mehr. Erst seit diesem Jahrtausend kommen sie wieder zurück und die Population erholt sich. Ab dem Jahr 1901 wurde ebenfalls an unterschiedlichen Orten Kohle abgebaut. Dies war ein ständiges Auf und Ab. Manchmal verdienten die Gesellschaften viel Geld damit und Jahre später machte man wieder Verluste. Zechen wurden gekauft und verkauft. Heute sind alle Zechen aufgegeben. Nur in Longyearbyen gibt es noch eine Zeche, in der auch weiterhin Kohle gefördert wird. Andere Projekte wie der Marmorabbau bei NY London scheiterten komplett und ließen hunderte unbezahlte Arbeiter zurück. Während unserer Reise sahen wir noch mehrere Zeugnisse der Geschichte von Spitzbergen. Es ist kaum vorstellbar wie die Menschen hier damals gelebt haben müssen. 
Wir fahren weiter nördlich und als wir den 80 Breitengrad überqueren feiern wir mit einer Tasse Glühwein an Deck. Das Meer ist noch immer mit Nebel verhangen als wir die Insel Moffen erreichen. Diese kleine Insel ist etwas nördlich der Küste. Sie besteht aus nicht viel mehr als Geröll. Die Insel ist inzwischen geschützt und man darf sich nur bis auf 300m nähern. Wir sehen eine Kolonie Wallrosse im Nebel und darum schleicht sich ein Eisbär. Was für eine Szene. Eisbären versuchen im Normalfall keine Wallrosse zu jagen. Die Haut der Wallrosse ist zu dick und die Zähne zu gefährlich. Nur extrem ausgehungerte Bären versuchen aus Verzeiflung ihr Glück. Dies geht jedoch auch für den Eisbären nicht immer gut aus. 


Wallrosse
Mit bis zu 1,5 Tonnen und einer Maximallänge von 3,5 Metern bei den Männchen sind Wallrosse deutlich größer als alle Robbenarten auf Spitzbergen. Zu den Robben zählen die Bartrobbe, der Gemeine Seehund, die Ringelrobbe oder auch die Sattelrobbe. Das Wallross ist ein friedliches und neugieriges Tier. Daher hatten es Jäger leicht zehntausende der Tiere zu erlegen. Seit den 1950er Jahren ist das Wallross geschützt und der Bestand erholt sich langsam. Man schätzt die Zahl rund um Spitzbergen auf etwa 4000 Tiere. Auch wenn man sich auf nur 40m nähern darf kommen Wallrosse häufig von alleine deutlich näher heran uns inspizieren die Besucher. Auch wenn sie durchaus schnell an Land sein können, fühlen sie sich dennoch im Wasser wohler. Die markanten Stoßzähne der Tiere haben sowohl das Männchen sowie auch das Weibchen. Wobei die Zähne bei dem Männchen ausgeprägter sind. Mit den Stoßzähnen können sich die Tiere auf Eisschollen hoch ziehen oder auch Eisbären schwer verletzen. Die Ernährung der Tiere besteht vorwiegend aus Muscheln. Diese werden unter Wasser ausgesaugt. Aber auch eine unvorsichtige Robbe oder Aas steht hin und wieder mit auf dem Speiseplan. Auf Spitzbergen sieht man vorwiegend Bullen. Die Weibchen verbringen ihre Zeit mit den Jungen im Osten der Inselgruppe oder auf Franz-Josef-Land. Die Jungen werden nach 15monatiger Tragezeit unter Wasser geboren und anschließend ganze 2 Jahre lang von ihren Müttern gesäugt. Ein Wallross in der freien Natur erreicht ein Alter von etwa 30 Jahren.

Nach dieser weit abgelegenen und surrealen Insel fahren wir wieder in Richtung Osten zurück. Wir hoffen auf weitere Eisbären am Wallrosskadaver. Es ist schon Nacht als wir in diese Gegend kommen wo einst die Holländer Spitzbergen zum ersten mal erblickten. Die Sicht ist viel besser als beim letzten Besuch in Ytre Norskøya. Der Nebel hat sich gehoben und hängt nur in den Gipfeln der Berge. Doch auch sonst hat sich die Landschaft völlig geändert. Ein riesiges Eisfeld wurde angetrieben. Der Kapitän manöfriert uns zwischen Inseln und dem Eis hindurch. Ich fühlen mich wie ein wahrer Entdecker bei diesem Erlebnis. Als wir am Kadaver vorbei kommen sind die Eisbären nicht mehr vor Ort. Aber wir wurden mehr als entschädigt, als ein Wallross auf einer Eisscholle lag. So ein Foto hatte ich mir kaum zu erhoffen gewagt. Total glücklich gehe ich spät nachts in die Kabine. 

Es folgen noch viele beeindruckende Tage an Bord der Rembrandt. Doch möchte ich nicht weiter ins Detail gehen. Das würde den ganzen Bericht sprengen. Wir besuchten weitere Gletscher bei Gullybukta oder den atemberaubenden Lillienhookbreen. Es standen noch mehrere Wallrosskolonien auf dem Programm wie z.B auf der Kiesbank von Sarstangen oder auch am Strand von Poolepynten. Hier lagen wir mit unseren Kameras flach am Boden, genossen die Tiere und warteten auf schöne Szenen für ausdrucksstarke Bilder. Ebenfalls besuchten wir Vogelfelsen mit brütenden Möwen, Gänsen, Lummen und auch Papageientauchern. Eine riesige Kolonie von Krabbentauchern bei Alkekongen war ein weiteres Highlight. Zwischen den Felsen brüten hier tausende dieser Tiere und wir konnten sie aus geringer Distanz beobachten.  Nur mit den Rentieren klappte es nie so richtig. Auch wenn wir immer wieder welche vor der Linse hatten, bei allen Begenungen wirkten die Tiere auf den Fotos unscharf. Dies lag wohl am Hitzeflimmern in der Luft. Wir waren einfach immer etwas zu weit entfernt. Doch bei unseren letzten Landgang in Skansbukta sollte sich dies auch noch ändern. Die Tiere schienen hier dem Menschen gegenüber die Scheu komplett abgelegt zu haben.  So konnte wir in aller Ruhe auch noch scharfe Bilder dieser Tiere machen. 

 

Rentier
Die Rentiere auf Spitzbergen sieht man meist alleine oder in kleinen Gruppen von nur wenigen Tieren. Auch sehen sie etwas anders als wie ihre Verwandten auf dem Festland. Sie sind etwas gedrungener und die Beine kürzer. Trotz allem erreichen die Tiere eine Länge von 1,5m und wiegen bis zu 90kg. Wie die meisten Tiere wurde auch das Rentier stark bejagt. Seit 1925 ist es geschützt und es leben wieder etwa 10.000 Tiere auf der ganzen Inselgruppe verteilt. Jedoch bekommt das Rentier zunehmend Schwierigkeiten. Im Frühjahr ist es teilweise zu warm und der Boden taut auf und friert wieder zu. Dann sind die wenigen Gräser unter einer Schicht aus Eis versteckt und es wird für die Tiere noch mühsamer an Nahrung zu gelangen.

Am Ende konnten wir fast alle gewünschten Tiere schön in Szene setzen. Wir hatten insgesamt 9 Eisbären. Auch wenn man nicht immer gute Fotos bekam ein Erlebnis war jeder einzelne. Neben den Säugetieren sahen wir während der Zeit etwas über 30 verschiedene Vogelarten. Nur mit den Walen hatten wir nicht ganz so viel Glück. Aber man braucht ja schließlich immer einen Grund um wieder zurück zu kehren. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon wieder wenn es mit der Rembrandt durch den hohen Norden geht.

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