Nikon 14-24 mm f/2.8

Beginnen wir mit dem Nikon 14–24 f/2.8, das ich dank meines Kollegen Kilian Schönberger bereits auf Madeira zum Einsatz bringen konnte.

Zunächst bleibt festzuhalten, dass ich bei der Verwendung direkt ein paar Einschränkungen hatte. Das Filtergewinde von 112 mm ist nicht mit meinem Filtersystem kompatibel, daher habe ich mir direkt von meinem Sponsor Haida einen passenden Filter bestellt – normalerweise ein Kostenpunkt von ca. 220€. Mehrere Filter zu kombinieren ist eher schwierig, da diese schnell zu Abschattungen führen. Es gibt spezielle Filterhalter, um dies zu umgehen, doch dabei kommen 150-mm-Filter zum Einsatz, die noch teurer sind und ein nicht zu vernachlässigendes Gewicht im Rucksack darstellen – vom Platzbedarf ganz zu schweigen.

Ich konnte also nur mit einem Polfilter fotografieren. Für meine Seascapes musste ich daher dennoch auf ein anderes Objektiv zurückgreifen. Für Langzeitbelichtungen ist die Linse also nicht ohne weitere Hürden einsetzbar. Mittlerweile gibt es von Haida, Kase und auch NiSi einen Halter für 100mm Filter. Sodass die Arbeit wesentlich vereinfacht wird. Lediglich Kase bietet allerdings einen Polarisationsfilter als Steckfilter an, welcher sich mit einem kleinen Rädchen drehen lässt - wie mir einer meiner Reiseteilnehmer zeigte.

Dafür bekommt man jedoch einen Autofokusschalter, zwei belegbare Funktionstasten und einen digitalen Screen auf der Linse, auf dem sich verschiedene Informationen einblenden lassen – etwas, das keine andere Nikon-Linse bietet und der ohnehin sehr angenehmen Haptik den letzten Schliff verleiht. Das Nikon 14–24 mm f/2.8 wirkt insgesamt absolut wertig.

Für traditionelle Landschaftsaufnahmen eignet es sich hervorragend, denn selbst weite Blicke sind mit der Bilddiagonale von 114° sehr gut einzufangen – und das bei einer Schärfe, die auch an der Z8 mit ihren 45 MP überzeugt. Leider konnte ich die Linse nicht für Astrofotografie einsetzen, da es keine Gelegenheit dazu gab. Laut einschlägigen Testseiten sollte sie hier jedoch ebenfalls überzeugen. Wenig Coma und eine Vignettierung von etwa –2 EV sind bei 14 mm keineswegs schlecht. Nordlichter sind mit dieser Linse also sicherlich kein Problem.

Gegenlicht und Blendenstern sind akzeptabel. Bedenkt man, dass die Linse ein konvexes Frontelement besitzt, ist es überraschend, dass es nicht mehr Flares bei Gegenlichtaufnahmen gibt. Der Stern ist leider nicht sonderlich ästhetisch und franst mit seinen 18 Strahlen leicht aus – für Sonnensternfreunde wie mich also eher weniger schön.

Meine Empfehlung für das Nikon 14–24 mm f/2.8 gilt daher klassischen Landschaftsaufnahmen, bei denen die 14 mm häufig genutzt werden, bei denen der Preis (die Linse ist mit ca. 2.200 € die teuerste Nikon-Linse in diesem Segment) eine untergeordnete Rolle spielt, und bei denen selten Filter oder Gegenlichtaufnahmen verwendet werden – aber zugleich eine Astro-Option direkt mit erworben werden soll.

Aufgenommen mit dem Nikon 14-24 mm f/2.8

Nikon 14–30 mm f/4

Der kleine Bruder, das Nikon 14–30 mm f/4, bietet ebenfalls eine Bilddiagonale von 114°, allerdings mit einer weniger überzeugenden Auflösungsleistung. Zwar kann es mit dem alten Nikon 14–24 mm f/2.8 (FX) mithalten, bleibt jedoch hinter seinen neueren Geschwistern zurück. Es ist also nichts für Pixelpeeper.

Dafür ist es aber wesentlich kompakter und leichter, wiegt rund 200 g weniger und kostet auch nur etwa die Hälfte. Damit ist es besonders für Fotografen interessant, die lieber in den Bergen mit leichtem Gepäck unterwegs sind und ihr Geld besser in ein leichtes Zelt oder einen Quilt investieren, statt in das letzte Quäntchen Bildqualität.

Das 82-mm-Filtergewinde erlaubt zudem die Verwendung von Schraub-, Steck- und Magnetfiltersystemen, was die Linse für Langzeitbelichtungen sehr attraktiv macht.

Mein größtes Manko ist jedoch die Blende von lediglich f/4, was für Astro-Enthusiasten wohl ein No-Go ist – selbst in Zeiten von KI-Rauschreduzierung. Ebenso können Coma und Vignettierung bei Offenblende nicht überzeugen: Mit etwa –2,51 EV bei f/4 und 14 mm ist die Leistung nicht konkurrenzfähig.

Die Haptik störte mich zudem immens, wann immer ich sie verwendete. Das Objektiv fühlt sich etwas billig an, und der seltsame Umstand, dass man die Linse zunächst am Tubus drehen muss, um sie zu entsperren und die immerhin überzeugende Zoomreichweite von 17 mm nutzen zu können, erschien mir stets wie ein Gimmick.

Mich konnte das 14–30 mm f/4 zuletzt nie überzeugen, da der Sonnenstern wirklich unschön ist – sehr fransig und mit ungleichmäßigen Strahlen. Wohl einer der unästhetischsten Sonnensterne im Weitwinkelbereich überhaupt. 

Aufgenommen mit dem Nikon 14–30 mm f/4

Nikon 17–28 mm f/2.8 (Tamron Rebrand)

Eine Überraschung war für mich das dritte Objektiv, das Nikon in dieser Reihe auf den Markt gebracht hat. Es ist baugleich mit dem Tamron 17–28 mm f/2.8, das Tamron bereits für den Sony-E-Mount gebaut hat. Es handelt sich also um ein Rebranding, das lediglich mit dem Nikon-Logo versehen wurde. Dass es dabei etwas mehr kostet – geschenkt. Mit einem Straßenpreis unter 1.000 € ist es immer noch recht erschwinglich.

Ich hatte bereits den Vorgänger, das alte Nikon 17–35 mm f/2.8–4 für meine D850, und war – abgesehen vom wenig schönen Sonnenstern – sehr angetan. Für den damaligen Preis von gerade einmal 500 € war die Linse absolut klasse.

Als ich die ersten Bilder des Nikon 17–28 mm f/2.8 sah, konnte ich meinen Augen kaum glauben: Der Sonnenstern ist deutlich aufgeräumter und franst nur minimal aus. Mit neun Blendenlamellen ist der Stern zwar nicht besonders markant, aber er ist von allen Nikon-Ultraweitwinkelobjektiven die beste Wahl – selbst gegenüber dem 20 mm f/1.8, dessen Sonnenstern im Vergleich zum genialen Pendant des DSLR-Vorgängers leider verschlimmbessert wurde. Ab Blende f/13 entstehen ansehnliche Sterne.

Doch auch in fast allen anderen Kategorien ist das 17–28 mm f/2.8 solide. Es bietet zwar „nur“ eine Bilddiagonale von 104°, ist aber bereits bei f/2.8 für Astrofotografie einsetzbar. Das Coma ist sichtbar, aber nicht stark ausgeprägt – insbesondere im Vergleich zu älteren DSLR-Linsen. Die Schärfe ist bereits bei Offenblende gut, auch wenn mit etwa –2 EV Vignettierung gerechnet werden muss, obwohl die Linse keine 14 mm Brennweite erreicht.

Die geringe Zoomreichweite von nur 12 mm ist ebenfalls ein Nachteil, da man häufiger auf das Standardzoom wechseln muss. In der Praxis hat mich das jedoch nie gestört, da mein 24–120 mm f/4 ohnehin deutlich schärfer ist als das 14–30 mm f/4 – ich würde also ohnehin wechseln, sobald ich den Ultraweitwinkelbereich verlasse.

Mit einem 67-mm-Filtergewinde und einem Gewicht von nur 450 g ist das 17–28 mm f/2.8 zudem kompakt, leicht und mit allen gängigen Filtersystemen kompatibel. Die Haptik ist zwar ebenfalls nicht überragend – ein klassischer Plastikbomber wie das 14–30 f/4 – wirkt aber etwas hochwertiger.

Nach über einem Jahr Erfahrung mit dieser Linse kann ich sagen, dass sie trotz der nur als „spritzwassergeschützt“ angegebenen Bauweise mehrfach bei Regen problemlos zum Einsatz kam.

Aufgenommen mit dem Nikon 17–28 mm f/2.8

Tamron 16–30 mm f/2.8

Der indirekte Nachfolger des Tamron / Nikon 17–28 mm f/2.8 weckte bei mir große Hoffnungen, war die Grundlage doch bereits eine wirklich gelungene Linse – insbesondere in der Nikon-Variante.

Ich habe die Linse nun mehrere Wochen in Norwegen dabeigehabt und sie für Nordlichter und Landschaftsaufnahmen eingesetzt. Leider hat sich dabei etwas Ernüchterung eingestellt. Auch wenn ich die Linse von Tamron zur Verfügung gestellt bekommen habe, möchte ich zunächst ein paar Kritikpunkte nennen.

Natürlich beginne ich mit dem Sonnenstern – dieser ist leider wieder fransig und wird zu den Enden der Strahlen hin breiter. Warum man hier nicht die Blendenlamellenkonstruktion des Vorgängers beibehalten hat, ist mir ein Rätsel. Das Objektiv wird daher wohl nicht mehr allzu lange in meinem Rucksack Platz finden, denn bis auf die zusätzliche Zoomreichweite bietet es kaum echte Verbesserungen.

Ein weiterer Kompromiss betrifft die Schärfeleistung: Meiner Erfahrung nach kann die Linse im Direktvergleich leider nicht ganz mit dem Nikon 17–28 mm f/2.8 mithalten. Ob das nur bei meiner Kopie so ist oder ein generelles Problem darstellt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Bei Offenblende hingegen war ich sehr positiv überrascht: Trotz einer deutlichen Vignettierung von etwa –3,2 EV würde ich die Linse für Astrofotografie fast schon empfehlen – vorausgesetzt, die Randabdunklung stört nicht. Denn an den Bildrändern konnte ich bei den Sternen kaum Coma oder Astigmatismus feststellen – nahezu perfekt, selbst offenblendig.

Mit einem Gewicht von nur 450 g, einem Filterdurchmesser von 67 mm und einem attraktiven Preis ist das Tamron 16–30 mm f/2.8 für Landschaftsfotografen, die auch gelegentlich nachts den Sternenhimmel fotografieren, durchaus ein interessantes Objektiv.

Nur im Gegenlicht sollte man es möglichst meiden, und auch die Verarbeitungsqualität ist – wie bei den meisten Objektiven unter 1.000 € – eher durchschnittlich.

Aufgenommen mit dem Tamron 16–30 mm f/2.8

Leider gibt es nach wie vor keine eierlegende Wollmilchsau für Landschaftsfotografen im Nikon-Z-Mount.
Bisher bin ich mit der Kompromisslinse, dem Nikon 17–28 mm f/2.8, als Hauptobjektiv für Landschaftsaufnahmen sehr gut gefahren, sodass ich keine der anderen Linsen wirklich gebraucht habe – und sie daher auch nicht vermisse oder einen permanenten Wechsel anstrebe.

Die 14 mm vermisse ich höchstens gelegentlich, etwa auf den Färöer-Inseln oder in den Alpen. In solchen Situationen greife ich dann jedoch lieber zum Panoramastitching und erweitere meine Bilddiagonale auf diese Weise.

Für die Astrofotografie habe ich inzwischen einige dedizierte Linsen getestet, um herauszufinden, ob es für mich einen Grund gibt, eine weitere Linse im Gepäck zu haben, die meinem „Allerwelts-Weitwinkel“ deutlich überlegen ist – doch dazu später mehr.

Letztlich haben alle hier genannten Objektive ihre Pro- und Contra-Argumente, weshalb ich alle relevanten Kategorien in einer Übersichtstabelle zusammengefasst habe.

Ein 16–35 mm f/2.8 mit geringem Coma, schönem Sonnenstern, Filtergewinde und starker Abbildungsleistung – wie man es von Canon oder Sony kennt – bleibt wohl weiterhin ein Traum. Tamron ist mit dem 16–30 mm f/2.8 zwar nah herangekommen, hat das Ziel aber knapp verfehlt.

Nachdem ich von Canon wieder zu Nikon gewechselt bin, ist dieser Umstand wohl das Einzige, was ich tatsächlich vermisse.

Aber wer weiß – vielleicht wird dieser Wunsch irgendwann doch noch in Erfüllung gehen.

Aufgenommen mit dem Tamron 16–30 mm f/2.8

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